Kirchliche Schutzpatrone in Legende und Brauchtum

Die Heilige Barbara für die Gedächtniskapelle in Ronneburg

 

 

Die kirchlichen Schutzheiligen stammen gemeinhin aus der Zeit der Christenverfolgungen des zweiten bis vierten Jahrhunderts. Mit Ausbreitung des Christentums in Südeuropa und Kleinasien entstanden Märtyrer-Legenden, die später (während der Kreuzzüge) nach Norden gelangten und  sich ungleichmäßig über die Länder verbreiteten. Ihre Helden fanden in den Folgejahrhunderten oft als Heilige Verehrung. Gemeinsam ist ihnen die Anrufung um Beistand in bestimmten Not- und Lebenslagen wie Krankheiten oder Schicksalsschlägen. Ab dem Spätmittelalter wurden einigen dabei spezielle „Aufgaben“ zuteil. Regional unterschiedlich entstanden Gruppen sogenannter Nothelfer. In Mitteldeutschland  war diesbezüglich besonders die sogenannte Regensburger Normalreihe [1] verbreitet: Vierzehn Heilige, drei weibliche und elf männliche. In der katholischen Kirche werden die Nothelfer als Schutzpatrone im Gebet angerufen. Für die evangelischen Gläubigen gelten sie allgemein als Vorbilder im Glauben.

Foto aus der Schaffensphase von Holzbildhauer Michael Rössel-Rothe (Heilige Barbara für Gedächtniskapelle Ronneburg Juli 2018)

Auf geistliche Nothelfer griff man in ziemlich allen Bereichen des menschlichen Lebens gern zurück. Von der Geburt bis zum Tod, so auch für den täglichen Broterwerb der Gläubigen. Bestimmte Einzelheiten aus dem Leben der bzw. aus den Legenden über die Schutzheiligen wurden mit speziellen Tätigkeiten der Menschen, deren Behütung oder Heilung verbunden. Wer kennt nicht den Heiligen Florian als Schutzpatron der Feuerwehren und seine Anrufung bei Feuergefahr. Als Helferin gegen Blitzschlag und Feuersbrunst gilt aber auch die Heilige Barbara. Hier stand der Legendenbezug Pate, dass ihr Vater nach der selbst vorgenommenen Enthauptung seiner Tochter sofort vom Blitz getroffen worden sein soll. Welche Verbindung besteht nun zu den Bergleuten? Die recht vielseitigen Interpretationen des legendären Lebensablaufes billigen u.a.

 

Barbaras gelungener Flucht aus dem väterlichen (Wohn) Turm-Gefängnis ein Höhlenversteck zu, das sie durch eine sich in letzter Minute öffnenden Felsspalte erreichen konnte. Kern der Barbara-Legende ist, dass sie, wie viele Opfer in der Zeit der Christenverfolgung, den Märtyrertod wegen der Beibehaltung ihres christlichen Glaubens erleiden musste. Bilder und Figuren in den Kirchen schmücken die Barbara wie auch andere Schutzpatrone mit verschiedenen Symbolen, die sich auf jeweilige  legendenhafte Episoden, Begebenheiten oder Lebensschwerpunkte bezogen. Zeitliche Änderungen, aber sicher auch passende Wunschvorstellungen im Brauchtum bestimmten letztlich die konkrete Gestaltung. Zum Beispiel war vor der Einführung der Weihnachtsbäume der Schmuck mit blühenden Kirsch- oder Apfelzweigen zur Weihnachtszeit verbreitet. Für die rechtzeitige Blüte mussten die Zweige um den katholischen Gedenktag der Heiligen Barbara am 4. Dezember herum geschnitten werden. So kam es zur Einbürgerung des Begriffs Barbarazweige – auf diversen Darstellungen hielt sie dann einen Zweig statt des ebenfalls üblichen Palmenwedels in der Hand. Auch mit Fackel findet man sie abgebildet. Um den Gedenktag herum erhielten die Knappen des Bergbaus ihr Geleucht für untertage, woraus das Barbaralicht wurde. Glück gehörte schon immer zur Bergmannsarbeit.

 

Das plötzliche Glück von Barbaras Felsöffnung sollte auch die Bergleute begleiten. Nicht nur zur gesunden Auffahrt, auch zum Gelingen der Arbeit und dem Finden der erhofften Bodenschätze. Aus der Anrufung des Glücks der Heiligen bildete sich das gebräuchliche „Glück auf“. Auszug aus dem Gebet der Bergmannskinder (unbekannten Ursprungs):

 

 

„… Sankt Barbara bei Tag und Nacht fahr mit dem Vater in den Schacht!
Steh du ihm bei in jeder Not, bewahr ihn vor dem jähen Tod!“

 

Wenn mein Vater mir als kleinen Jungen von seiner Arbeit im Uranbergwerk erzählte, dann kleidete er das oft mit einem Augenzwinkern in leicht-mystische, manchmal märchenhafte Geschichten. Für ihn war die Schutzpatronin der Bergleute ein guter Berggeist, der über ihn und seine Mitstreiter wachte und für den Notfall wurde untertage dann auch noch von den Kumpels eine Bergziege gefüttert…   Hinter den mystifizierenden Geschichten steckte - ob nun bewusst oder unbewusst -, dass der Bergmann einem höheren Geschick unterliegt, welches immer auch eine tüchtige Portion Glück erforderte. Der Künstler übernahm die klassische Darstellung von Kelch und Schwert. Statt des Kelches in der Hand (ein Sinnbild für Barbaras standhaftes Glaubens-bekenntnis), steht er am Boden. Dafür hält die Heilige Barbara ein Geleucht als Bezug zum Bergbau unserer Heimat. Der oft übliche Turm (ein Zeichen ihrer Gefangenschaft) oder die Kirche (als Haus Gottes) ist ebenfalls am Boden dargestellt, hier aber als eine Nachempfindung der früher in unmittelbarer Nähe stehenden und dem Bergbau zum Opfer gefallenen Schmirchauer Kirche. Ältere Besucher können sich vielleicht an deren Konturen noch erinnern. Um 1962 wurde die Kirche des Ortes gesprengt, wobei nach einem Augenzeugenbericht von  Manfred Wöllner aus dem Explosionsstaub plötzlich eine Taube aufstieg. Tauben in Kirchtürmen sind sicher nicht ungewöhnlich, der Zeitpunkt hier aber schon ein Sinnbild.

[1] Nach der Legende lebte die Tochter des reichen griechischen Kaufmanns Dioskoros in Nikomedia, dem heutigen Izmit in der Türkei. Im Jahr 306 starb sie den Märtyrertod.

[1] Die ersten bildlichen Darstellungen lassen sich ab 1310 in Regensburg nachweisen, wo die Heiligen als Schutzpatrone von Spitälern und Kirchen verehrt wurden. Erst um das Jahr 1400 sind die Nothelfer als geschlossene Gruppe mit vierzehn Heiligen bekannt, die sich später als sogenannte «Normalreihe» durchsetzte.

 

von Frank Lange, Kirchlicher Umweltkreis Ronneburg

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